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Hub-Talk zu Corporate Startups: Erfolgsfaktoren und Hemmnisse

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Immer mehr etablierte Unternehmen versuchen Unternehmertum dauerhaft im eigenen Unternehmen zu verankern. Beim Hub-Talk diskutierten wir mit fünf Unternehmen über Erfolgsfaktoren und Hemmnisse oder einfacher gesagt: Können etablierte Unternehmen auch "Startup"?

Neben der Möglichkeit in Startups zu investieren, entwickeln Unternehmen auch vermehrt selbst eigene digitale Geschäftsmodelle mit Ausgründungspotenzial. Auch im Münsterland gab es hierzu im vergangenen Halbjahr einige Aktivität. Gleichzeitig waren viele Unternehmen in den vergangenen Jahren bei der Entwicklung von Corporate Startups nicht erfolgreich. Im Hub-Talk mit unserem Geschäftsleiter Sebastian Köffer gaben Tanja Rosendahl (Managing Partner F-Log Ventures), Nicolas Dillmann (Managing Director lab 25), David Schonebeck (Geschäftsführer Juracus), Marc Weßling (Startup Koordinator Westfalen AG) und Johannes Boyne (Associate Director Boston Consulting Group) spannende Einblicke. Der Aufbau von Startup-Strukturen in etablierten Unternehmen kann großes Potential mit sich bringen und dies wird auch verstärkt in mittelständischen Unternehmen bewusst und vermehrt ausprobiert.

Mittelständische Unternehmen erkennen die Chance von "Corporate Startups".

Der Aufbau von Corporate Startups im Mittelstand erfordert den Spagat zwischen bestehendem Geschäftsmodell und der Offenheit gegenüber dem Ungewissen beim Aufbau von neuen Geschäftsmodellen. Dabei sollte man nicht erwarten das nächste "Unicorn" ins Leben zu rufen, sondern vielmehr die Chance in der Lernkurve sehen. Nicolas Dillmann sieht einen positiven Trend, dass sich immer mehr Unternehmen dem bewusst werden:

Vielen Unternehmen ist im Jahr 2020 bewusst geworden, dass man im Bereich der Geschäftsmodell-Entwicklung etwas tun muss.

Nicolas Dillmann, Managing Director lab25

Alle Teilnehmenden waren sich über die Herausforderungen bei der Personalbesetzung weitgehend einig. Denn neben technologischen Hürden und branchenabhängigen Einflussfaktoren, sind eben genau die Leute mit Gründergeist für den Erfolg entscheidend, die sich oftmals aber nicht mit den klassischen Arbeitsmodellen eines Konzerns identifizieren können. Auch umgekehrt, sind die Mitarbeitende in Corporates nicht immer die idealen Kandidaten, um interne Ausgründungen zu besetzen.

Man kann nicht einfach interne Leute aus dem Unternehmen in ein Startup setzen, die die Mentalität nicht haben.

David Schonebeck, Geschäftsführer Juracus

Corporate Startups können gleichzeitig eine Möglichkeit sein, Mitarbeitende für neue digitale Themen zu begeistern. Gelingt es Themen zu finden, für die langjährige Mitarbeiter brennen und ein leidenschaftliches Interesse an den Tag legen, können eigene Talente aus dem Unternehmen neu angesprochen werden. Für das Unternehmen entstehen so dann Herausforderungen, wie die Stellen in der Kernorganisation ersetzt werden.

Es war nicht schwierig, Leute aus der Kernorganisation für unser Corporate Startup fillibri zu begeistern.

Marc Weßling, Startup Koordinator Westfalen AG

Corporates können eigenen Startups im Idealfall viel aus dem eigenen Umfeld mitgeben, z.B. bestehende Vertriebskanäle für sie öffnen. Außerdem erhoffen sich Startups, sich das technische Know-How der Corporates anzueignen, was sich oftmals aber als schwierig herausstellt. Wenn es um Investitionen in Corporate Startups geht, müssen die Interessen zwischen Venture Capital Gebern und Corporate Startups, wie bei jedem anderen Investment auch, übereinstimmen.

Venture Capital und Corporate Startups - geht das zusammen?

Eine Grundvoraussetzung für einen potenziellen Deal ist es, dass die Startups so unabhängig wie möglich vom Corporate sind und das Corporate somit keinen Einfluss auf das Startup nimmt. Das bedeutet auch, dass das Corporate sich schlussendlich auch wieder vom Startup loslöst. Tanja Rosendahl brachte hier die Sicht eines VCs in die Runde ein. Hier funktioniere es eindeutig nicht, wenn das Corporate noch anteilig mit am Ruder sitzen will. Oftmals haben die Gründenden im Rahmen eines Corporate Startups auch keine Anteile am Unternehmen - für VCs ist das ein No-Go. Es gibt jedoch andere Investitionsmöglichkeiten als das Venture Capital, die sich als passend für Corporate Startups darstellen. So hat zum Beispiel "heycar" betrieben unter Volkswagen, Investitionen von Daimler - also einem eindeutigen "Frenemie", angenommen.

Strategische und Finanzinvestments müssen ganz klar getrennt werden, sonst funktioniert es nicht.

Tanja Rosendahl, Managing Partner F-Log Ventures

Auch wenn die Vermarktung des Corporate Startups wegen der enormen Branchenabhängigkeit fallweise betrachtet werden muss, geht es stets um den Vermögenswert, der erzielt werden kann. Welches Kern-Asset kann geboten und als Wettbewerbsvorteil genutzt werden? Die Verknüpfung des eigenen Startups an das Kerngeschäft ermöglicht dann idealerweise ein sinnvolles "Add-On" im Arbeitsbereich des Startups. Ansonsten gelte es, so Johannes Boyne, als Corporate sich bei der Entwicklung des eigenen Startups lieber zurückzuhalten.

Die beste Art wie das Corporate die Marke des Startups vorantreiben kann: Geld bereitstellen und ansonsten weggucken.

Johannes Boyne, Associate Director Boston Consulting Group

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12.01.2021