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epap berichtet über den Weg zur erfolgreichen Finanzapp

 epap Gründer Fabian Gruß
epap Gründer Fabian Gruß

epap ist die digitale Lösung zur Bonpflicht und digitalisiert Belege in ganz Deutschland. 2019 hat das Startup am Accelerator Programm des Digital Hubs münsterLAND teilgenommen. Heute will Tabea im Interview-Portrait wissen, wie sich die vier Gründer seitdem geschlagen haben. Zum Interview:

Als ehemaliges Accelerator Startup freut es uns natürlich besonders zu sehen, dass ihr euch weiterhin so positiv entwickelt! Was hat sich denn in der Zeit nach uns noch alles bei euch getan? 

Wir haben es geschafft, ein größeres Team aufzubauen und haben sowohl die erste formelle Gründung mit mehreren Personen vollzogen, als auch die erste Finanzierungsrunde eingesammelt. Wir haben es auch geschafft unser Produkt weiter wachsen zu lassen - unsere App zum Beispiel ist viel umfangreicher und wird viel mehr genutzt als vorher.

Was hat euch denn bei dieser Weiterentwicklung besonders geholfen?  

Also zum einen haben wir noch einen weiteren Accelerator, die VentureVilla bei uns in Hannover, mitgemacht und zum anderen gab es zu Beginn des letzten Jahres sehr viel mediale Aufmerksamkeit in unserem Bereich. Anfang 2020 ist ein neues Gesetz zur Bonpflicht verabschiedet worden, dem man nicht entfliehen konnte. Das heißt, alle Belege müssen seit Anfang 2020 gedruckt werden, es sei denn es geht „irgendwie“ digital. Dieser Umstand hat viel Aufmerksamkeit auf uns geworfen, da wir genau diese digitale Lösung entwickelt haben.  

Wie kam es zu dieser Flut an medialer Aufmerksamkeit für euch? Nur, weil ein neues Gesetz beschlossen wird, heißt dies ja noch lange nicht, dass die Medien euch und eure Lösung finden.  

Das stimmt. Es wird ja oft gesagt, dass es an Digitalisierung in Deutschland fehlt. Deshalb dachten wir uns, dass wir unseren Lösungsvorschlag selbst präsentieren a la „Hey, es gibt eine digitale Lösung für dieses Problem.“ Dementsprechend sind wir proaktiv an die Sache herangegangen und haben versucht die Presse auf uns aufmerksam zu machen. Dafür haben wir unter anderem Gründerszene aktiv angeschrieben und gefragt: „Hier gibt’s was Cooles, habt ihr nicht Lust darüber zu berichten?“. Und es hat geklappt! Wir bekamen ein Interview

Dieses Gespräch mit der Gründerszene .. war dann der Stein, der alles ins Rollen gebracht hat. Es gab einen Artikel zu uns, der dann dazu geführt hat, dass viele andere Zeitungen auch Interesse daran hatten über uns zu berichten.

Was hat euch überhaupt ursprünglich zu eurer Idee mit epap inspiriert? 

Es war tatsächlich das eigene genervt sein, in ein Geschäft zu gehen und zu bezahlen - was ja eigentlich auch recht modern geht, wenn ich zum Beispiel mit meiner Uhr oder meinem Handy zahle – und am Ende dann trotzdem einen Bon ausgedruckt zu bekommen, der auch noch 40cm lang ist. Da ich selbst aus dem Informatikbereich komme, habe ich mich gefragt, wie eine Lösung für das Problem aussehen könnte. Als ich mich dann mit der Thematik auseinandergesetzt habe, merkte ich recht schnell, dass es eigentlich kein "Rocket Science" ist.

Es braucht lediglich eine Lösung, die sowohl für den Händler als auch für die Endverbraucher*innen cool ist und gut funktioniert. Also haben wir viel recherchiert und geschaut, ob es etwas gibt, was diesen Ansprüchen genügt. Da es das nicht gab, haben wir uns gesagt: „Okay, das bauen wir einfach mal selbst.“ 

Ich weiß, dass ihr zu Beginn zu zweit wart und sich das Gründungsteam noch mal verändert hat. Wie kam es dazu und wie bist du zu deinen neuen Co-Foundern gekommen? 

Ein guter Kumpel von mir, Stefan, und ich haben damals zusammen in Münster mit epap begonnen. Stefan hat damals epap neben seinem Job mit mir ins Leben gerufen. Nebenberuflich zu gründen ist mit einem Startup nur schwer zu vereinbaren, sodass wir gemerkt haben, dass es in dem Ausmaß, welches epap angenommen hatte, nicht mehr funktioniert. Also habe ich epap erst einmal allein in Vollzeit weiter gemacht.

Zu viert haben wir uns dazu entschieden, eine richtige Firma zu gründen - mittlerweile sind wir 12 Leute.

Da ich in Hannover meine Masterarbeit geschrieben habe, bin ich auch nach Hannover gezogen und habe epap sozusagen mitgenommen. Über die Gründungsberatung der Uni kam dann witzigerweise der Kontakt zu Sebastian zustande, der sich bei der Uni gemeldet hatte, weil er seit einem halben Jahr an der gleichen Idee gearbeitet und eine App für digitale Kassenbons gebaut hat.

Die Uni hat uns beide miteinander vernetzt und wir haben recht schnell gemerkt, dass es sehr gut passt und wir ähnliche Vorstellungen haben, wo das Unternehmen hingehen soll. Danach haben wir recht Startup typisch bei einem Gründungsevent noch unsere zwei weiteren Mitgründer, Gerd und Jannis gefunden, die unser Team, auch was die Kompetenzen betrifft komplettiert haben.

Du sprichst darüber, dass Gerd und Jannis euer Team komplettiert haben. Das berühmte Hacker, Hipster und Hustler Schema für Gründungsteams kennen wir ja bereits alle. Welche Softskills sollten deiner Meinung nach, neben der bekannten Aufteilung der Hardskills in jedem Startup vertreten sein?  

Wir haben relativ schnell gemerkt, dass jeder eine ausgeprägte Lern- und Kritikfähigkeit mitbringen muss. Am Anfang drehst du dich und dein Produkt ganz schnell, prüfst viele Möglichkeiten und wenn etwas nicht funktioniert, änderst du deinen Weg und machst die Dinge eventuell komplett anders als vorher. Als Gründer darf man sich dann nicht an seiner alten Idee festbeißen und sollte in der Lage sein Feedback aufzunehmen, ohne es persönlich zu nehmen. Das hilft auf jeden Fall.  

Was waren Schwierigkeiten, die ihr im Team und ganz generell zu meistern hattet?  

Im Team muss man sagen, hat alles wunderbar geklappt, dafür, dass wir uns alle noch nicht so lange kannten. Allerdings haben wir gemerkt, dass wir, was das Einschätzen der Geschwindigkeit anderer Firmen betrifft, manchmal etwas zu blauäugig vorgegangen sind. Als Startup möchtest du immer alles extrem schnell, am liebsten eigentlich schon gestern fertig haben.

Wenn du dann mit einem Einzelhändler mit mehreren hundert Filialen sprichst, merkst du schnell, dass diese deutlich langsamer sind. Dort kann nicht eine Person von heute auf morgen entscheiden, dass mit einem Startup zusammengearbeitet wird. Es ist ein langwieriger Prozess an dem eine Vielzahl von Personen, auf Seite des Einzelhändlers, beteiligt sind. Dementsprechend haben wir gemerkt, dass die Verbreitung unseres Produktes im Markt auf jeden Fall länger dauert als geplant und merken es auch immer noch. 

Was würdet ihr euch in so einem Fall wünschen, um dies zu ändern? Oder anders gefragt was wünscht ihr euch für die Gründungslandschaft Münster bzw. Deutschland insgesamt?   

Es wäre cool, wenn auf Konzern- und Firmenseite schon ein bisschen mehr Aufklärung stattgefunden hätte, also zum Beispiel: Was macht ein Startup? Was definiert ein Startup? Welche Risiken gibt es? Damit dort ein größeres Bewusstsein entsteht, dass Lösungen da sind und man sich Unterstützung reinholt und es nicht als Konkurrenz ansieht. Aber das ist, glaube ich, ein langfristiger Prozess. 

Darüber hinaus wäre es schön, wenn die Startup-Zentren mehr Aufklärungsarbeit leisten, welche Förderungsmöglichkeiten es gibt. Denn als Gründer sieht man zu Beginn den Wald vor lauter Bäumen nicht. Diese Aufklärungsarbeit ist insbesondere wichtig, da sich Förderungen teilweise untereinander ausschließen.

Vielleicht kann man das mit einer Art Übersicht lösen, die je nach Stadium des Startups aufzeigt, welche Förderungen in Frage kommen, sodass man alle Informationen bekommt, um zu entscheiden, wie der optimale Weg aussieht.  

Ihr habt ja im Anschluss an diese Fördermöglichkeiten bereits eure erste Finanzierungsrunde eingesammelt. Wie seid ihr da herangegangen? 

Wir haben eine große, lange Liste mit potenziellen Investoren gemacht und haben dabei neben Business Angels auch nach VCs geschaut, die im Bereich Retail aktiv sind. Für uns sind solche VCs natürlich vor allem aufgrund ihrer Kontakte interessant. Da es in dem frühphasigen Bereich, in dem wir uns bewegten, nicht so viele VCs gibt, war für uns schnell klar, dass wir im ersten Schritt Business Angels ansprechen. Was auch sehr gut funktioniert hat. In der kommenden Runde sind wir mit epap ein gutes Stück weiter, sodass wir nun auch VCs ansprechen werden.  

Wie habt ihr euch den Business Angels genähert? Du hast gesagt ihr hattet eine Liste voll Namen:  Was dann?  

Was uns zusätzlich immer geholfen hat, waren Intros über Kontakte. Dadurch hat man einen Anknüpfungspunkt für das Gespräch und startet ganz anders in dieses. Und, was damals noch besser möglich war, waren Pitch Veranstaltungen. Grade als junges Startup bekommt man hier viele Möglichkeiten sich zu präsentieren und seine Idee zu zeigen.

Hast du denn auch einen Tipp für Pitch-Anfänger? 

Was mir immer am meisten geholfen hat, war beispielsweise bei einem 5-Minuten Pitch das Ganze auf vier Minuten auszurichten. Dadurch hat man dann ein bisschen mehr Zeit und muss sich nicht hetzen, da man am Anfang normalerweise das Bedürfnis hat, alles zu erzählen was man macht. Wichtig ist zu verstehen, dass der Pitch nur ein Teaser ist, um an spätere Gespräche zu kommen, in denen dann alles erklärt und gezeigt werden kann.  

Was würdest du potenziellen Gründern im Münsterland raten?  

Ich würde raten einfach durchzustarten, zu verschiedenen Veranstaltungen - auch vom Hub - zu kommen, anzurufen um Fragen zu klären - der Accelerator ist natürlich auch eine super Adresse - und alles was man am Anfang an Feedback bekommen kann mitzunehmen. 

Unsere App geht immer mehr in Richtung Finanzen: Ich kann über Belege meine Finanzen tracken, oder ab unserem nächsten Update auch das eigene Online-Banking verbinden, um damit Belege und Bankingumsätze an einem Ort zu haben.

Wie sieht denn eure aktuelle Vision für epap aus? Wie du eingangs schon erwähnt hast, habt ihr euch stark entwickelt, daher würde mich interessieren wie eure nächsten Steps aussehen.  

Wir sind sehr eng gestartet, und zwar mit der Idee Kassenbons direkt an der Kasse für Händler zu digitalisieren. Mittlerweile haben wir viel gelernt, darüber was die Händler interessiert und was Händler noch über einen digitalen Kassenbeleg erreichen wollen. Das gleiche gilt auch für die Userseite, bei denen wir zum Beispiel gemerkt haben, dass digitale Belege eine gute Möglichkeit sind die eigenen Finanzen oder Garantien im Blick zu behalten.

Auf der Händlerseite gibt es dann über den digitalen Bon andere Möglichkeiten, wie zum Beispiel den Kunden noch mal besser zu erreichen, Feedback einzusammeln und generell über das reine Digitalisieren hinaus noch mal mehr herauszuholen.  

06.05.2021