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Wann ist der richtige Zeitpunkt für ein Investment?

 Echometer-Gründer Jean Michel Diaz, Robin Roschlau und Christian Heidemeyer (v.l.)
Echometer-Gründer Jean Michel Diaz, Robin Roschlau und Christian Heidemeyer (v.l.)
Bild: Echometer

Echometer bietet Unternehmen eine SaaS-Lösung, mit der agile Arbeitsweisen in Teams unterstützt und die Teamentwicklung in Unternehmen messbar gemacht wird. Jetzt haben die drei Gründer ihr erstes Seed-Investment in Höhe von 600.000 EUR abgeschlossen.

Im Jahr 2019 hat Echometer den Digital Hub Accelerator durchlaufen. Kurz nach dem Seed-Deal stand Echometer-Gründer Jean Michel Diaz unserem Entrepreneur in Residence Simon Janssen zum Interview bereit.

Bevor wir über das Seed Investment in Höhe von 600.000€ sprechen, erzähl uns doch kurz in ein paar Sätzen wer du bist und was Echometer macht.

Wir entwickeln eine Software für Unternehmen, die sie dabei unterstutzt, agile Arbeitsweisen in Teams zu etablieren und die Teamentwicklung messbar zu machen. Wir sind ursprünglich im Jahr 2016 damit gestartet, dass man sich in Deutschland mehr mit Unternehmenskultur auseinandersetzten sollte. Da waren wir selbst noch im Studium. Damals haben wir uns vor allem angeschaut, was andere Startups in USA und Kanada machen, die es auf eine gewisse Skalierung in dem Bereich Unternehmenskultur geschafft haben. So haben wir zu Beginn relativ stumpf angefangen Mitarbeiterumfragen zu digitalisieren und die Vorteile zu nutzen, die sich durch die Digitalisierung der Mitarbeiterbefragung ergeben. Das war auch das, was wir damals im ersten Schritt bei der Founders Foundation in Bielefeld gepitched haben und was sehr gut angekommen ist beim Publikum. Glücklicherweise hat uns das auch einen richtigen Boost gegeben, als wir gemerkt haben: "Hey, das ist tatsächliche ein Thema!". Über die Zeit hat sich unsere Software zu einem sehr spitzen Produkt entwickelt. Mit Echometer zielen wir also nicht mehr auf jedes Unternehmen ab, sondern auf die Firmen, die sich auf agile Arbeitsweisen einlassen. Also schnelles iteratives Arbeiten mit flachen Hierarchien und Teams die selbst viel bestimmen können.

Ein sehr langer Weg von 2016 bis jetzt hier und heute. Wie groß war das Team als ihr gestartet seid und wo steht ihr jetzt?

Einer der wichtigsten Faktoren war von Anfang an, dass wir durch Christian als Psychologen, Robin als Softwareentwickler und mir als BWLer ein sehr heterogenes Team hatten. So waren wir in einer so frühen Phase – in der man noch gar nicht so genau, weiß wohin die Reise geht – auf kein größeres Team angewiesen. In meinen Augen ist es ein großer Fehler, wenn man bereits zu Beginn mit einem großen Gründungsteam startet, da man sich so die nötige Flexibilität nimmt. Mittlerweile sind wir in einer Phase angekommen, an der wir wissen, in welche Richtung es zukünftig geht. So besteht unser Team aktuell aus fünf Leuten in Vollzeit und einigen Werkstudenten, sowie Praktikanten. Mit der Finanzierungsrunde wird das Team jetzt auch noch weiterwachsen.

Das ist das Stichwort! Wie viel Geld habt ihr in eurer ersten Finanzierungsrunde eingesammelt?

Es sind tatsächlich knapp 600.000€, die wir eingenommen haben. Und das ist ja bereits die erste große Entscheidung, bei der man überlegt: Wieviel Geld muss es eigentlich tatsächlich sein? Im Jahr 2020 haben wir die ersten Gespräche mit Venture Capitalists (VCs) geführt und hatten auch noch größere Summen im Kopf, die in die Millionenrichtung gingen. Dann sind die VCs durch die Corona bedingte wirtschaftliche Situation eher defensiv geworden. Für uns war das eine Chance, denn wir haben gemerkt, dass wir auch ohne Fremdkapital immer noch in der Lage sind zu wachsen. So haben wir im Jahr 2020 unsere Umsätze verzehnfacht und eine viel bessere Grundlage geschaffen, um in die Gespräche mit Investoren zu gehen. Rückblickend haben wir Glück gehabt, dass wir nicht so früh externes Kapital aufgenommen haben, da es uns in einigen Bereichen verlangsamt hätte.

Es gab bisher in der Geschichte von Echometer keinen besseren Zeitpunkt für eine Finanzierungsrunde.

Wieso habt ihr euch dazu entschlossen im Jahr 2020 Geld aufzunehmen?

Aktuell herrschen im Markt eine enorme Dynamik und ein Marktpotential, welches sich in den nächsten Jahren massiv ausweiten wird. Teams gehen zunehmend in agiles- & remote Arbeiten über und brauchen jetzt entsprechende Software Lösungen. Diese Chance und Dynamik wollen wir nutzen. Um entsprechend schnell wachsen zu können war es somit jetzt der richtige Zeitpunkt, um mit strategischen Business Angels zu sprechen. Dabei war uns wichtig, dass wir nicht nur Geld einsammeln, sondern "Smart Money" von Angels die selbst Gründungs- und Industrie Erfahrung haben.

Wie seid ihr in die Verhandlungen gegangen?

Wir hatten eine riesige Liste mit Personen, mit denen wir sprechen wollten. Der erste Business Angel von dem wir eine mündliche Zusage erhalten haben, kam aus Münster – Sebastian Hanhues, der selbst auch erfolgreich einen Exit in der Vergangenheit gemacht hat. Nach der ersten Zusage ging alles dann schnell. Wir konnten beginnen selber Deadlines zu setzen, um die Verhandlungen voranzutreiben. Auch wenn es nicht alle Angels aus den Gesprächen in die Finanzierungsrunde geschafft haben, haben wir sehr viel wertvolles Feedback erhalten.

Welche Rollen werden eure Investoren in der Zukunft einnehmen – Stichwort Smart-Money?

Es war uns superwichtig, dass wir nicht den gleichen Stereotyp Investor in der Runde haben, sondern Unternehmer, die aus den verschiedensten Bereichen kommen. So haben wir beispielsweise Investoren mit Tech Hintergrund, durch das aktuelle Flaschenpost Management Expertise aus den Bereichen Marketing & Finance, sowie mit André Häusling von HR Pioneers einen Investor, der sich im Enterprise Umfeld auskennt, wenn es darum geht agile Transformationen in Unternehmen voran zu treiben.

Wie geht es jetzt weiter? Wofür werdet ihr die 600.000€ maßgeblich verwenden?

Das Geld ist bereits in unserem Business Plan sehr genau verplant. Hauptsächlich werden wir uns in den Bereichen Marketing, Customer Success und Sales weiter ausbauen. Also geht es jetzt darum das Team mit Menschen, die auf Ihrem Gebiet Experten sind, stärker zu machen.

Wir hatten beim Abschluss unserer Finanzierungsrunde bereits 50 zahlende Kunden.

Was wäre Dein Tipp, den du Startups geben würdest, die gerade darüber nachdenken Geld aufzunehmen?

Gerade junge Startups reden sich zu Beginn oft ein, dass es gewisse Hürden in der Validierung gibt, die sie nur mit einem Investment meistern können. Dabei gibt es genügend Methoden & Experimente bei denen man ohne großen finanziellen Aufwand nach dem "Lean-Startup Prinzip" Hypothesen validieren, bzw. widerlegen kann, um sogenannte "Traction" nachzuweisen. Wir hatten beim Abschluss unserer Finanzierungsrunde bereits 50 zahlende Kunden. Wenn ein Startup keine Kunden hat und behauptet, dass es nur mit einem Investment in der Lage ist, den ersten zahlenden Kunden zu gewinnen, dann sind sie in Wirklichkeit sehr weit davon entfernt.

Hub Gehört: Das komplette (extended) Interview mit Echometer als Podcast anhören

11.02.2021