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Coworking mit innovativem Umfeld

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Die Digital Incubation Unit des Unternehmensbereichs Coatings von BASF identifiziert disruptive Trends im Bereich Future Mobility. Nun sind sie nach mehr als zwei Jahren aus dem Coworking des Digital Hub herausgewachsen.

Nach zwei Jahren im Coworking Space am Hafenweg zieht die Digital Unit der BASF Coatings aus dem Digital Hub aus - bleibt jedoch im gleichen Gebäude in unmittelbarer Nähe. Unsere Coworking-Managerin Jenny hat mit dem Team der Innovationseinheit gesprochen.

Ihr begegnet disruptiven Trends mit der Entwicklung neuer, digitaler Geschäftsmodelle. Wie entstand 2019 die Idee zur Gründung Eurer Unit?

Als einer der führenden Anbieter im Bereich Oberflächenlösungen – wir entwickeln und produzieren unter anderem Beschichtungen und Fahrzeuglacke – ist die Automobilindustrie ein sehr wichtiger Markt für den Unternehmensbereich Coatings. Schon lange setzen unsere Kunden in ihren Produktionsstätten auf digitale Lösungen. Wir unterstützen sie dabei und sehen Digitalisierung auch für uns als wichtigen Treiber. Trends der letzten fünf Jahre deuten allerdings auch darauf hin, dass die Veränderungen in der Industrie noch weitreichender sind: Die Art und Weise, wie wir in Zukunft mobil sein werden, verändert sich. Wer besitzt, wartet und gestaltet ein Fahrzeug eigentlich bei einer zunehmenden Beliebtheit von Carsharing-Angeboten? Welchen Einfluss haben die Anforderungen an elektrische und autonome Fahrzeuge auf ihr Äußeres und inneres Erscheinungsbild? Werden Teile, die zurzeit noch lackiert werden, in Zukunft vielleicht aus anderen Materialien bestehen oder anderweitig beschichtet? All diese Fragen zeigen, dass zündende Ideen unsere derzeitige Wertschöpfungskette gehörig verändern können und disruptive Lösungen gefordert sind. Und hier kommen wir ins Spiel: Diese Veränderungen möchten wir zu nutzen wissen und mit dem Aufbau digitaler Geschäftsmodelle zu einem diversifizierteren Portfolio des Unternehmens beitragen.

Welche Projekte konntet Ihr bis jetzt erfolgreich umsetzen?

Ziel unserer Einheit ist es immer, eine Lösung für ein relevantes Nutzerproblem zu finden und diese Lösung bis zur Marktreife zu entwickeln. Anschließend entscheiden wir gemeinsam mit unserem Management, ob das Projekt als Startup überlebensfähig ist und eigenständig weitergeführt wird. Dies war zum Beispiel bei RepairFix der Fall: Das Projektteam hat die Geschäftsidee erfolgreich weiterentwickelt und vor etwa einem Jahr als RepairFix GmbH ausgegründet. RepairFix entwickelt und betreibt die unabhängige europaweite Plattform "motum", die Autobesitzer und -fahrer im Schadens- oder Servicefall auf einfache Art und Weise mit den Anbietern des Automotive Aftersales Markt vernetzt.

Es war eine bewusste Entscheidung, uns als Digital Innovation Unit nicht im Werk anzusiedeln, um mit einem unvoreingenommenen Blick von „außen“ an Aufgaben herangehen zu können.

Wie ist euer Team strukturiert und wie hat es sich im Laufe der Zeit entwickelt?

Zu Beginn haben wir zu dritt in unserem ersten kleinen Büro im Hub gesessen und erstmal Tische und Stühle organisiert. Das war im Januar 2019. Mittlerweile sind wir auf 15 Personen angewachsen, darunter Festangestellte, Studenten bzw. Praktikanten und ein Auszubildender, der zurzeit bei uns stationiert ist. Wir Festangestellten unterteilen uns in Projektleiter, die ein Thema von der Validierung des Anwenderproblems über die Entwicklung eines Lösungsansatzes bis hin zur Ausgründung begleiten, Marketing-Kolleg:innen sowie Ansprechpartner:innen für UI/UX Design und Digitales Produktmanagement.

Ihr habt im Hauptsitz des Unternehmensbereichs Coatings der BASF doch vermutlich genügend Räumlichkeiten, um Euch „auszutoben“. Weshalb habt Ihr dennoch den Weg in den Digital Hub gewählt?

Es war eine bewusste Entscheidung, uns als Digital Innovation Unit nicht im Werk anzusiedeln, um mit einem unvoreingenommenen Blick von „außen“ an Aufgaben herangehen zu können. Die Arbeit in einer Inkubationseinheit erfordert es häufig, „abseits“ zu denken und sich auszuprobieren. Und je weniger wir dabei von Konzern-internen Prozessen und Vorgaben abgelenkt sind, desto erfolgreicher können wir sein.  

Die Entscheidung auf den Hub ist aufgrund der Nähe zum Startup- und Innovationsökosystem im Münsterland gefallen. Hier treffen wir auf junge, meist regionale Startups, aber auch gestandene Unternehmen, mit denen wir uns vernetzen und unkompliziert kooperieren konnten und können. Trotzdem haben wir die Distanz zum Coatings-Hauptsitz so gewählt, dass wir jederzeit mit den Kolleg:innen im Werk zusammenarbeiten können. Schließlich stammen viele Ideen und auch Projektunterstützer aus den Kerneinheiten, wir profitieren von ihrem Knowhow und den vielen Möglichkeiten, die uns die „Corporate-Rückendeckung“ von BASF eröffnet.  

Wie konnte Euch der Digital Hub und dessen Netzwerk auf Eurem bisherigen Weg unterstützen?

Zunächst ist der Zugriff auf die Kontakte innerhalb des Netzwerks und auch auf die Ressourcen des Hubs für uns von Vorteil gewesen. Es gab viele Projekte, die in Kooperation mit Start-ups aus dem Hub-Netzwerk oder mit regionalen Venture-Building Companies (wie Lab25) stattgefunden haben. Durch die Zusammenarbeit mit dem FabLab war es uns beispielsweise möglich, nach einem CAD-Workshop, schnell 3D-gedruckte Automodelle zu erstellen und einen Prototypen zu testen. Außerdem bietet der Hub eine sehr gute Infrastruktur und Räumlichkeiten, die das innovative Arbeiten und Vernetzen fördern.  

Münster ist für uns ein Hidden Champion, wenn es um Innovationen und Start-up-Kultur geht. Hier sitzen viele interessante Unternehmen mit einzigartigen Ideen, von denen es Start-ups, wie kürzlich Flaschenpost, sehr weit schaffen können.

Da Ihr nun nach knapp zwei Jahren aus dem Hub „herausgewachsen“ seid, habt Ihr unsere Etage zum Ende 2020 verlassen und seid in größere Räumlichkeiten eine Etage über uns eingezogen. Glücklicherweise bleiben wir dennoch Nachbarn. Wie geht für Euch die Reise weiter? Gibt es bereits neue spannende Projekte, an denen Ihr arbeitet?

Richtig, wir bleiben Nachbarn und hatten das große und einmalige Glück, seit Januar neue Räume am Hafenweg bewohnen zu können. Wir sind nun auch wieder auf einer Etage vereint und freuen uns darauf – nach Corona – wieder alle gemeinsam vor Ort arbeiten zu können. Natürlich werden wir erstmal unsere bestehenden Projekte weiter vorantreiben, aber auch neue potenzielle Anwenderprobleme im Future Mobility-Umfeld identifizieren und Ideen entwickeln.  

Hat Münster, als Ort der Gründung von BASF Coatings, eine wichtige Rolle bei Eurer Entwicklung als Digital Innovation Unit gespielt? Und wenn ja, inwiefern?

Münster ist für uns ein Hidden Champion, wenn es um Innovationen und Start-up-Kultur geht. Hier sitzen viele interessante Unternehmen mit einzigartigen Ideen, von denen es Start-ups, wie kürzlich Flaschenpost, sehr weit schaffen können. Münster braucht sich nicht zu verstecken und die Konkurrenz der großen Zentren wie Berlin oder München zu fürchten. Viele Mittelständler und Familienunternehmen aus der Region haben ein großes Interesse an Digitalisierung und tragen so zur Entwicklung des digitalen Münsterländer Ökosystems bei. Außerdem hat das Unternehmen in Hiltrup eine lange Tradition. Deshalb möchten auch wir als Teil dessen unseren Beitrag zur Entwicklung der Region leisten.  

Was waren Eure größten Herausforderungen in der Startphase der Unit?

Eine große Herausforderung war und ist die unterschiedliche Arbeitsweise zwischen uns als Digital Innovation Unit und den Kerneinheiten des Unternehmens. Unsere Entwicklungen benötigen in der Regel weniger Geld als eine neuartige Produktionsanlage, allerdings haben wir als Zeitbudget die Anzahl an Tagen zur Verfügung, die sonst an Monaten bereitstehen. Für uns steht deshalb eine schnelle Entwicklung, schnelles Feedback und, wenn nötig, auch schnelles Verwerfen einer Idee im Vordergrund. Innerhalb unserer Sprints konzentrieren wir uns voll und ganz darauf. Die Kerneinheiten hingegen haben bereits ein hohes Volumen an Tagesgeschäft und sind an Prozesse gebunden, die für BASF als einen 120.000-Personen-Konzern maßgeschneidert sind. Dieses unterschiedliche Tempo erfordert von beiden Seiten Verständnis und Engagement.

Hier herrscht eine äußerst angenehme Arbeitsatmosphäre mit vielen hoch motivierten Persönlichkeiten, von denen jeder noch etwas lernen kann.

Gab es einen Fail, an den Ihr Euch amüsiert zurückerinnert?

Da waren einige! Wir haben zum Beispiel einmal versucht, in den Markt für Möbellackierungen einzusteigen. Dazu haben wir bei einem unserer Projektmanager zu Hause im Garten versucht, einige IKEA Lampen und Möbel zu lackieren, weil wir kurzfristig (während der ersten Corona-Phase) keine freie Sprühkabine gefunden haben. Das ist leider komplett schiefgegangen. Die Gegenstände waren danach unbrauchbar und der Garten voll mit bunter Farbe. Trotzdem war es wichtig und richtig, es auszuprobieren. Ohne diese Erfahrung hätten wir wesentliche Hypothesen nicht rechtzeitig validieren können.

Was bleibt euch in besonders guter Erinnerung, wenn ihr an die Zeit im Coworking zurückdenkt?

Die vielen positiven Gespräche im Hub, sei es an der Kaffeemaschine oder beim gemeinsamen Mittagessen, sowohl mit den Mitarbeitern des Hubs, als auch mit den anderen "Hubbies". Hier herrscht eine äußerst angenehme Arbeitsatmosphäre mit vielen hoch motivierten Persönlichkeiten, von denen jeder noch etwas lernen kann.

24.03.2021