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Vom Digital Hub Accelerator zum namhaften Kooperationspartner in Kalifornien

 Siwalu-Mitgründer Kai Lübke
Siwalu-Mitgründer Kai Lübke
Bild: Siwalu

Das Startup Siwalu hat 2019 am Accelerator Programm des Digital Hubs münsterLAND teilgenommen und durfte anschließend eine Kooperation mit Snap Inc. eingehen. Heute will Tabea im Interview-Portrait wissen, wie es zu der Kooperation kam und was sich seitdem noch getan hat. Zum Interview:

Siwalu entwickelt KI-basierte Tiererkennungs-Apps für Hunde, Katzen und Pferde. Besonders erfolgreich ist jene zur Erkennung der Hunderasse. Snap Inc., ist ein US-amerikanisches Technologie- und Social-Media Unternehmen und auch Entwickler des Instant-Messaging Dienstes “Snapchat”, welcher über 12,5 Mio. täglich aktive Nutzer in Deutschland vermerkt (Stand: April 2021). 

Als ehemaliges Accelerator Startup freut es uns natürlich sehr, dass ihr eine Kooperation mit Snapchat eingegangen seid. Erzähl doch mal, wie ist es dazu gekommen?  

Um ganz vorne anzufangen: Das Ganze hat als Freizeitprojekt ohne große wirtschaftliche Beweggründe angefangen. Wir konnten dann sehr schnell viele Nutzer gewinnen, ohne dass wir in großem Maße finanzielle Ressourcen investieren mussten. Ich denke, genau das war auch der springende Punkt, sodass eines Tages eine Mail von Snapchat reingeflattert kam, in der sie Interesse an unserem Produkt bekundeten und gefragt haben, ob wir darüber nicht mal sprechen wollen.  

Was glaubst du wie Snapchat auf euch aufmerksam geworden ist?  

Das kann ich nicht genau beantworten. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass sie den Markt regelmäßig nach interessanten Produkten screenen.

Es gab auch einen klaren Use Case für den sie Produkte gesucht haben und dadurch, dass wir zu der Zeit schon viele tausend Nutzer hatten, sind sie wohl auf unsere Dog Scanner App aufmerksam geworden und haben sich gedacht: Das klingt spannend, das schauen wir uns mal näher an.  

Ok, ihr hattet also viele User, Snapchat hat euch entdeckt und dann? Wie läuft so ein Prozess und die Verhandlungen mit einem Riesen aus den USA ab?  

Schwer zu sagen, wie es regulär abläuft, denn ich befürchte, dass es bei uns ein eher atypischer Verlauf war. Das Problem war, dass wir zu der Zeit noch gar nicht gegründet hatten. Dadurch hatten wir natürlich nicht die besten Voraussetzungen, um in so ein Gespräch zu gehen. Für Snapchat war das Ganze so auch neu. Zu dem Zeitpunkt, zu dem sie uns bereits kontaktiert haben, war deren eigenes Produkt – der Snapchat Scan – in der Form auch noch nicht vorhanden.

Snapchat befand sich selbst noch in der Findungsphase und musste Ideen evaluieren. 

Als sie Snapchat Scan initial gelauncht haben, wurden wir aufgrund der fehlenden Gründung zunächst nicht neben Shazam, Photoshop und Amazon als Partner vorgestellt. Im nächsten Jahr hat es aber geklappt.  

Aber in der App wart ihr zu dem Zeitpunkt schon vorhanden? 

Nein, das ging damals noch nicht, da wir den Vertrag nicht ohne Gründung abschließen konnten. Bevor es soweit war, folgten lange Verhandlungen und Corona kam uns in die Quere, weswegen wir die Vorstellung vor Ort in Los Angeles erst verschieben und dann ganz absagen mussten.

Im Endeffekt hat es also circa 1,5 Jahre gedauert – vom Erstkontakt bis zur letztendlichen Vorstellung.  

Und worauf hat Snapchat im Verlauf des Prozesses mit euch besonders Wert gelegt? Was war ihnen wichtig?  

Die Technologie und, dass das Team passt, hat Snapchat vor allem interessiert. Sie haben auch Wert daraufgelegt, dass es eine professionelle und langfristige Partnerschaft wird. Deshalb haben wir auch sehr zeitnah gegründet, in der Hoffnung, dass es für die Vorstellung im Jahr 2019 noch reicht.  

Wie werdet ihr in der App eigentlich genutzt?   

Initial wurden wir für das Produkt Snapchat Scan vorgestellt. Das funktioniert so, dass es auf dem Kamera-Screen die Möglichkeit gibt verschiedene Sachen zu scannen, indem man den Touchscreen gedrückt hält. Neben der Tiererkennung von uns gibt es dort mittlerweile auch noch die Musikerkennung von Shazam, Pflanzenerkennung, Lebensmittelerkennung, Autoerkennung, Produktsuche über Amazon und die Möglichkeit Mathegleichungen lösen zu lassen. 

Wie behauptet man sich als kleines Startup gegen so einen Giganten aus den USA? 

Man muss natürlich ehrlich sein und sagen, dass die Vorgehensweise von Snapchat bestimmt wird. Trotzdem sind sie erstmalig auf uns zugekommen, sodass wir natürlich auch wussten, dass ein gegenseitiges Interesse besteht. Von daher war es eigentlich immer entspannt und die Gespräche mit Snapchat waren ziemlich locker und es bestand viel Verständnis für uns.  

Hat euch die Partnerschaft im Nachhinein einen Boost gegeben? Ich meine, ihr wurdet schließlich mit Namen wie Shazam oder Amazon genannt. 

Auf jeden Fall. Allein schon die Erfahrung gemacht zu haben war persönlich etwas sehr Schönes, was einen weitergebracht hat. Finanziell hat es sich natürlich auch gelohnt (lacht). 

Das glaube ich! Wo steht ihr jetzt, wie geht es weiter?  

Wir haben nach der Partnerkonferenz 2020 für uns die Entscheidung getroffen, dass wir damit eine Art Höhepunkt erreicht haben und uns nach fast 3,5 Jahren Entwicklung einer Tiererkennung neue Herausforderungen suchen möchten. Daher haben wir den aktiven Betrieb zum Ende letzten Jahres beendet. Die Firma existiert allerdings noch und die Apps sind auch noch in den Stores vorhanden. 

Was sind zukünftig eure Pläne? Wollt ihr Serial Entrepreneure werden?  

Das wird sich dann zeigen. Ich kann mir sehr gut vorstellen noch mal zu gründen. Mein Mitgründer Tim hat sich mittlerweile einen ‚normalen‘ bzw. klassischen Job gesucht (lacht). Vielleicht bekomme ich ihn ja noch einmal dazu mit mir zu gründen.  

Euer Team hat also funktioniert?  

Absolut! Da hatte ich riesiges Glück. Ich konnte mit einem Freund gründen, den ich schon lange kannte, der nicht nur menschlich, sondern auch fachlich überragend ist, von daher hat das super geklappt.  

Was ist deiner Meinung nach in einer Teamkonstellation wichtig?  

Im Gründungsteam hat es viel gebracht, dass wir komplementär waren. Also, dass Tim den technischen und ich den wirtschaftlichen Part übernommen habe. Auch im späteren Team - zwischenzeitlich hatten wir ein paar Mitarbeiter – war es uns wichtig einen positiven und engen Kontakt zu pflegen.

Für mich persönlich ist das soziale Umfeld auf der Arbeit der wichtigste Faktor. Also, dass man mit Spaß zur Arbeit geht und auch untereinander Spaß haben kann, sich auf Augenhöhe begegnet und der Umgang gut ist.  

Also sind  flache Hierarchien, eine gute Teamkultur und eine gewisse Kritikfähigkeit entscheidend?  

Kompetenz kann natürlich auch nicht schaden (lacht). 

Was war in eurer frühen Phase der Gründung relevant und was hat euch geholfen?  

Wir hatten natürlich den Vorteil, dass wir das Ganze ohne großes finanzielles Risiko bootstrappen konnten, zum Zeitpunkt der Gründung bereits mit Snapchat in den Verhandlungen waren, mit anderen Konzernen in Kontakt standen und viele Nutzer hatten.  

Wie beurteilst du das Gründungsokösystem in Münster?  

Seitdem wir vor drei Jahren angefangen haben, hat sich auf jeden Fall viel entwickelt. Wir haben damals bei euch den Accelerator mitgemacht und waren in der Gründergarage. Dort hatten wir ein kostenloses Office. Beides hat uns viel gebracht - unter anderem, weil wir dadurch die Möglichkeit hatten, uns mit vielen anderen Startups auszutauschen. Wir haben allerdings den B2C-Fokus ein wenig vermisst.  

Hast du einen Tipp für ein Startup, dass einen großen (Pilot-) Kunden gewinnen möchte?  

Ein gutes Produkt (lacht). Alle großen Unternehmen, die sich bei uns gemeldet haben, haben das von sich aus getan. Wahrscheinlich weil wir schon viele Nutzer und wohl auch ein ganz gutes Produkt hatten.

Ich glaube, dass kommt tatsächlich ein bisschen von selbst, wenn man im B2C-Bereich unterwegs ist und es schafft viele Menschen mit einem sehr guten Produkt zu begeistern.   

20.07.2021