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Vom Corporate Intrapreneur zum Entrepreneur

 Als Startup-Mentor immer mitten im Geschehen des Digital Hub münsterLAND
Als Startup-Mentor immer mitten im Geschehen des Digital Hub münsterLAND
Bild: David Schonebeck

Nach 12 Jahren in führender Position bei unserem Mitgliedsunternehmen d.velop AG ist David Schonebeck im November 2020 als Gesellschafter und Geschäftsführer beim Startup Legal Analytics eingestiegen. Zuletzt hatte er die Innovationszelle d.velop labs aufgebaut.

Unser Projektmanager Tobias Korte hat mit David Schonebeck über seinen Werdegang im Unternehmensumfeld, den Einstieg in das Startup sowie über Lernerfahrungen und „Fuck-ups“ auf dem Weg dahin gesprochen.

Ich mag es, neue Ideen kennenzulernen, neue Wege zu gehen, Lösungen zu finden und dabei mit anderen Menschen zusammenzuarbeiten.

Lieber David, als Experte und Mentor gehörst du schon seit längerer Zeit zum festen Stamm der Hub-Community und stehst unseren Accelerator-Startups mit Rat und Tat zur Seite. Wie würdest du deine Rolle selbst beschrieben und was motiviert dich daran?

Als Mentor bin ich schon länger im Digital Hub dabei. Aufgrund meiner bisherigen Erfahrungen unterstütze ich vor allem im Bereich Intrapreneurship und Produktentwicklung, insbesondere im SaaS-Bereich. Ich mag es, neue Ideen kennenzulernen, neue Wege zu gehen, Lösungen zu finden und dabei mit anderen Menschen zusammenzuarbeiten. Jede/r Gründende, der/die Unterstützung im Bereich Produktmanagement und -strategie sucht, ist herzlich eingeladen, sich bei mir zu melden.

Welchen Ratschlag würdest du jedem Startup mit auf den Weg geben?

Es ist wichtig, die Erwartungshaltung, die man erzeugt, auch zu erfüllen. Versprecht nur, was ihr und euer Team auch wirklich halten könnt. Meiner Ansicht nach sind Vertrauen und Zuverlässigkeit das Wichtigste.

Gibt es ein Ereignis oder Startup, das dir besonders in Erinnerung geblieben ist?

Ja, gibt es. Da fallen mir einige Startups, aber auch Personen, ein. Was mir ganz besonders positiv in Erinnerung geblieben ist, war die Zeit bei euch im Büro: Das Gebäude, die Menschen und der Hund – das Arbeiten hat einfach Spaß gemacht. Ich fand den Digital Hub immer toll und habe den persönlichen Kontakt mit euch sehr genossen.

Haben sich durch dein Engagement im Netzwerk schon tiefergehende persönliche oder berufliche Kontakte ergeben, die bis heute bestehen?

Es haben sich viele Kontakte auf ganz verschiedenen Ebenen ergeben, sowohl im beruflichen als auch im privaten Umfeld. Mein guter Freund Nils Bremann ist beispielsweise bei uns im Advisory Board. Außerdem habe ich Colin Schulz und Carsten Feldmann im Hub-Netzwerk kennengelernt, mit denen ich über die letzten Jahre hinweg immer wieder Kontakt hatte.

Was sind aus deinem aktuellen Blickwinkel die wichtigsten Trends und Entwicklungen im Technologiebereich?

Ich bin überzeugt davon, dass wir mehr Technologie benötigen, um unsere Umwelt und unsere Mitmenschen zu schützen. Durch Innovationen kann es uns gelingen, nachhaltiger und besser werden. Ich glaube an Künstliche Intelligenz und Robotik in dem Sinne, dass uns redundante und ungewollte Arbeit abgenommen werden. Irgendwann wird auch der Punkt erreicht sein, an dem aus Daten wirklich gelernt wird, beispielsweise wenn ganze Wertschöpfungsketten digitalisiert werden. Zudem glaube ich an das Thema „Digitale Zwillinge“. Allerdings nicht nur in Hinsicht auf die Produktion, sondern auch auf die Virtualisierung von Persönlichkeiten, Sprachen und Ausdrücken. Insbesondere auf die Entwicklungen im Bereich der eigenständigen virtuellen oder designten Persönlichkeiten bin ich gespannt.

Mit d.velop Labs hast du seit 2018 eine Innovationskeimzelle zur Entwicklung und Realisierung neuer digitaler Geschäftsideen aufgebaut und zahlreiche Ideen getestet. Was genau war deine Aufgabenstellung und wie bist du diese angegangen?

Dazu könnte ich sicherlich einen Roman schreiben. Unsere Zielsetzung war es, verschiedene Idee umzusetzen und zu valideren. Wir haben zunächst die Ideen gesammelt und dann in vielen Wiederholungen mit verschiedenen Methoden die Validierung durchgeführt, beispielsweise mit der Real-, Win- und Worth-Strategie. Einige Ideen sind schon früh aussortiert worden. Manchmal haben wir auch Startups gefunden, welche die Idee bereits verfolgt haben. Dann sind wir in Gespräche bezüglich eines möglichen Onboardings auf die d.velop Plattform eingestiegen, haben die Gründung begleitet und Teams zusammengestellt, die Bock darauf hatten, die Ideen umzusetzen. Manchmal haben wir uns auch dazu entschlossen, die Ideen dann doch selbst zu verfolgen.

Wir haben einfach bei der Idee Nr. 1 angefangen und uns bis zur Idee Nr. 50 vorgearbeitet.

Nach welchen Kriterien habt ihr entschieden, welche Idee als nächstes getestet werden soll? Wie seid ihr dabei vorgegangen?

Grundsätzlich haben wir jeder Idee eine gleichberechtigte Chance gegeben. Die Entscheidung, mit welcher Idee wir starten, war simpel: Wir haben einfach bei der Idee Nr. 1 angefangen und uns bis zur Idee Nr. 50 vorgearbeitet. Wichtig war dabei, sich erst einmal auf die Idee einzulassen. Wir haben versucht, möglichst viel über die Idee und den Markt herauszufinden und mit der Zielgruppe bzw. den Interessenten in Kontakt zu treten. Meist konnten wir dabei schon die ersten Ideen herausfiltern, beispielsweise weil diese technisch nicht realisierbar oder schlichtweg zu teuer waren. Hierdurch konnten wir recht schnell eine erste objektive Vorauswahl treffen, ohne dabei die Ideen selbst zu bewerten.

Über welche Kanäle seid ihr sonst mit Startups in Kontakt gekommen? Habt ihr nach spezifischen Themen gesucht bzw. ein systematisches Screening betrieben?

Sowohl als auch. Einerseits haben wir uns auf verschiedenen Konferenzen systematisch Startups angeschaut und Pitch Decks eingesammelt, wie beispielsweise bei der Web Summit oder dem ruhrSUMMIT. Darüber hinaus haben wir auch eigene Workshops angeboten, um Gründungsinteressierte gezielt anzusprechen und abzuholen. Bei eigenen Ideen haben wir uns im Sinne der Wettbewerbsanalyse Gedanken über „Make or Buy“ gemacht.

Wie kam es zu der Entscheidung, nun Vollzeit in das Startup Legal Analytics einzusteigen?

Ich weiß nicht, ob es nur mir so geht, aber ich arbeite auf gewisse Themen hin, treffe Entscheidungen - dann kommt plötzlich alles anders. Ich hatte mich eigentlich vor der Gründung ganz bewusst gegen die Selbständigkeit und für die Arbeit bei der d.velop AG entschieden. Doch als Nils Bremann und mir die Idee für die Legal Analytics in den d.velop Labs gekommen ist, hat sich das schnell geändert. Nach der Validierungsphase haben wir uns zusammengesetzt und beschlossen, dass Till Werner und ich als Co-Founder einsteigen und Nils Bremann mit in das Advisory Board geht. Christoph Pliete und Nils Bremann habe ich sehr viel zu verdanken - ohne deren Unterstützung hätte ich diesen Schritt wahrscheinlich nicht gemacht.

Was genau ist die Vision hinter Legal Analytics?

Es gibt keine große Vision, wir machen einfach das was der Markt verlangt: Technologie, mit der sich Dokumente zeit- und kosteneffizient analysieren lassen. Dabei kommt der Künstlichen Intelligenz, auf der unser Produkt basiert, eine besondere Rolle zu.

Nimm uns doch mal mit, wie sieht dein Tagesablauf aktuell aus?

Es gibt überall Dinge zu tun. Der Tagesablauf ist bestimmt nicht so strukturiert, wie man es vielleicht vermuten könnte. Morgens haben wir unser Team Daily, danach gibt es Aufgaben im Bereich Vertrieb, Kalt-Akquise, Marketing und Produktmanagement. Zwischen Presales-Terminen erfolgt dann die Vor- und Nachbereitung, Leadverfolgung und das Projektmanagement. Darüber hinaus bin ich echt froh und dankbar, dass meine Frau mich zwischenzeitlich bei diversen Themen unterstützt, zum Beispiel im Bereich HR.

Auf welche Leistung / welchen Erfolg deiner beruflichen Laufbahn bist du besonders stolz?

Auf eine ganze Reihe von Momenten ehrlich gesagt: Als ich das erste Produkt fertig hatte, den ersten Kunden bekam und die erste Rechnung schreiben durfte (wir also bestätigt hatten, dass er einen Mehrwert in der Lösung sieht). All das hat letztendlich den Grundstock dafür gelegt, dass Legal Analytics das Investment bekommen hat.  Das hat mich natürlich glücklich gemacht, weil ich das erste Mal in meinem Leben das Gefühl hatte, selbst etwas erschaffen zu haben, für das am Ende jemand bereit ist, Geld zu bezahlen.

Was waren deine größten Fuck-ups in deiner bisherigen Laufbahn?

Mein größter Fuck-up im Leben war ein Zeitraum von ca. fünf Monaten - und zwar als mein damaliger Ausbildungsbetrieb Insolvenz anmelden musste. Ich hatte dort eine Ausbildung zum Industriekaufmann gemacht und mein Job bestand hauptsächlich darin, morgens um 5.00 Uhr anzufangen, die Fleischkisten zu spülen, die Wurst herzustellen, die eiskalte Wurst zu schneiden und auszuliefern. Wenn das Spülmittel zu hoch konzentriert war, dann hat das Gesicht gebrannt und ich konnte nachts nicht schlafen.

Ich habe mir immer gedacht, was soll’s, dass ziehst du jetzt durch: Deshalb habe ich mich jeden Tag motiviert in der Schule aufzupassen und eine gute Ausbildung zu machen - auch wenn der Job einfach übel war. Das Unternehmen ist dann zu Weihnachten in die Insolvenz gegangen, von heute auf morgen war der Job weg. Es war aber eigentlich sehr schnell klar, woran es lag und ich habe dadurch auch lernen können, wie man es nicht macht.

Wie ging es dann weiter?

Nun war es absehbar, dass das Geld ausgeht und das alles, was ich in den letzten Monaten gemacht hatte um durchzuhalten, einfach verloren war. Ausbildungsstellen waren zu dem Zeitpunkt Mangelware und wirklich niemand hat mir geholfen. Da meine Ausbildung im August erst angefangen hat, war ich auch nicht im Sozialsystem versichert, hatte also weder Arbeitslosenversicherung noch Sozialhilfe (das Insolvenzausfallgeld wurde damit direkt verrechnet).  Ich weiß gar nicht ob man sich das vorstellen kann, wie das ist, durch das soziale Netz zu fallen und die Hoffnungslosigkeit, die man damit verbindet…

Gefühlt kam dann ein Niederschlag nach dem nächsten, die ich hier nicht alle einzeln aufführen will. Das Finale war dann letzten Endes das Arbeitsamt, welches mir erörterte, dass ich keine Ausbildung bräuchte, sondern einfach „fegen gehen könnte“. Das war mein Schlüsselerlebnis. Es hat mir geholfen zu verstehen, was ich nie mehr wieder will. Danach habe ich mein Leben selbst in die Hand genommen - und die Situation zum Besseren verändert.

 

21.06.2021